Residenzchoreographen 2009

- © Thies Rätzke
Wie in den beiden Jahren zuvor starteten die drei ResidenzchoreographInnen im April das „K3-Residenzprogramm“. Aus rund 100 internationalen Bewerbungen aus über 30 Ländern wurden ausgewählt:
* Fabian Barba (Ecuador)
* Gudrun Lange (Düsseldorf)
* Begüm Erciyas (Türkei)
Das K3-Team wurde im Vorauswahlprozess von Edith Boxberger (Journalistin), deufert + plischke (artistwin) und Sven Till (Fabrik Potsdam) beraten. Die endgültige Entscheidung über die Residenzen 2009 wurde vom K3-Team getroffen.
Fabian Barba (geboren 1982) erhielt seine Tanzausbildung zunächst in Ecuador, wo er auch Kommunikation und Literatur studierte. Von 2004 bis 2008 war er Student bei P.A.R.T.S. in Brüssel und ist Gründungsmitglied von Busy Rocks. Seit 2008 beschäftigt er sich mit der theoretischen und praktischen Forschung zu Mary Wigman.
Gudrun Lange (geboren 1975) studierte Tanz in Rotterdam und lebte und arbeitete anschließend in New York. Zurzeit lebt sie in Düsseldorf, wo sie in den letzten drei Jahren eigene Choreographien am FFT realisierte. Im Jahr 2008 erhielt sie den Nachwuchsförderpreis des Künstlerinnenpreises NRW. Ihr Arbeitsvorhaben in Hamburg wird sich mit der Frage nach einem „durchschnittlichen“ Allgemeinverständnis zeitgenössischen Tanzes beschäftigen.
Begüm Erciyas (geboren 1982) absolvierte zunächst ein Studium am Department für Molekularbiologie und Genetik in Ankara und studierte anschließend an der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD) Choreographie. Sie war DanceWeb-Stipendiatin 2006 (Wien) sowie Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude (2007/08) und ist Mitglied des Künstlerkollektivs „Sweet and Tender Collaborations“. Ihr Projektvorhaben für Hamburg, „Ping Pong“, wird von einer kinästhetischen Studie zu verschiedenen geometrischen Phänomenen ausgehen.
Die im Rahmen ihrer Residenz entstandenen Choreographien waren im November und Dezember 2008 im Rahmen von K3 auf Kampnagel zu sehen. Mehr zu der Residenzproduktion unten.
Künstlerische Beratung Residenzen 2009: Marcus Droß, Katharine Sehnert, Irene Sieben, Susanne Linke, Bojana Kunst
Fabian Barba (Ecuador): A Mary Wigman Dance Evening

- © Thies Rätzke
Fabian Barba rekonstruiert einen Tanzabend, wie er in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hätte stattfinden können. Als Vorgabe dient ihm das Programm von Mary Wigmans erster Amerikatournee, in dem sie etwa neun Solotänze aus verschiedenen Tanzzyklen präsentierte, darunter Schwingende Landschaft. Ausdrückliches Thema der Rekonstruktion sind deren unvermeidliche Modifikationen vom Original und die Einschreibungen von Konzepte der Moderne in den Körper des Tänzers.
Weitere Informationen unten auf Englisch
Konzept, Choreographie,Tanz: Fabian Barba | Kostüm: Sarah-Christine Reuleke | Künstlerische Recherche mit Katharine Sehnert, Irene Sieben, Susanne Linke | Kompositionen: Hanns Hasting, Sascha Demand | Klavier: Jan Feddersen| Perkussion: Charly Schöppner
A Mary Wigman Dance Evening ist eine Produktion von K3 | Tanzplan Hamburg auf Kampnagel. In Koproduktion mit WP Zimmer Antwerpen, Kaaitheater Brüssel, fabrik Potsdam im Rahmen von Tanzplan Potsdam: Artists-in-Residence. Gefördert von der Hamburgischen Kulturstiftung. Mit Unterstützung von PACT Zollverein Essen und der Mary Wigman Gesellschaft. Tourmanagement: Caravan Production.
2009 AMPERDANS FESTIVAL ANTWERPEN | FABRIK POTSDAM | K3 – ZENTRUM FÜR CHOREOGRAPHIE | HELLERAU, DRESDEN | KAIITHEATER, BRÜSSEL | RADIALSYSTEM, BERLIN | BIENNALE TANZAUSBILDUNG | TANZPLAN DEUTSCHLAND, PACT ZOLLVEREIN ESSEN | COVER FESTIVAL, AMSTERDAM | TANZQUARTIER, WIEN | DESINGEL, AMSTERDAM | CDC TOULOUSE | KAIITHEATER, BRÜSSEL | 2010 | 26. JUNI SCHAUBÜHNE LINDENFELS, LEIPZIG | 24. UND 25. SEPTEMBER CDC TOULOUSE | 30. SEPTEMBER BIS 2. OKTOBER KAAITHEATER, BRÜSSEL | 3. OKTOBER THÉATRE CITÉ INTERNATIONALE, PARIS | 10. NOVEMBER GATI DANCE FORUM, DELHI | 2011 | 26. FEBRUAR CULTUURCENTRUM BRUGGE, HET ENTREPOT, BRUGGE | 28. FEBRUAR BIS 05. MÄRZ THÉATRE DE LA BASTILLE, PARIS
Fabian Barba reconstructs an evening of dance that could have taken place in the 1930s. As a guideline, he implements the program from Mary Wigman’s first tour in America in which she presented some nine solo dances from different dance cycles, among them Shifting Landscape. The reconstruction’s express topic is the modifications that have inevitably been made to the original and the modern concepts that have been ingrained into the dancer’s body.
Only about a century ago modern dance started to exist in Europe. Important innovators like Rudolf von Laban, Isadora Duncan, Ruth St Denis and Mary Wigman, among others, tried to break with the conventions of classical ballet by devising new techniques and movement languages. Challenging the values and conventions of bourgeois societies, they sought to create a dance that would express the new and freer spirit of the time, their time. In this manner, their work set into the dance world some modernist imperatives such as innovation, authenticity and individuality, notions with which we’ve been busy all along up to our days.
For A Mary Wigman Dance Evening, Fabian Barba took as a starting point the performances Wigman offered during her first tour through the United States in 1930/31. Thus, he`s come to gather a recital composed of nine short soli. Three of those were learned from videos of Wigman dancing herself. For the other dances he had access to three different kinds of sources: photos, texts written by Wigman and newspaper reviews of the period. From these sources it’s not possible to recuperate something such as an 'original', but it's possible to deduce the themes, moods, movement qualities and gestural vocabularies based on which he created new dances himself. For these new creations, he placed himself on the fictional set-up that he was a student in the Wigman School in the thirties and that he was creating these soli to present them in that school, with that audience. To help out, me made use of yet two other sources: the work with three ex-students (Katherine Sehnert, Irene Sieben, Susanne Linke) of the Wigman school in the sixties, with their memories and body knowledge, and his former training in modern dance in Quito from which he`s derived many technical tools that have helped him to create and perform these dances.
Some texts that talk more extensively about the motivations, method and questions that have appeared throughout this project can be found at www.busyrocks.org
1. Seraphisches Lied (Komposition: Hanns Hasting)
2. Gesicht der Nacht
3. Pastorale (Komposition: Hanns Hasting)
4. Anruf (Komposition: Hanns Hasting)
5. Sturmlied (Komposition: Hanns Hasting)
6. Sommerlicher Tanz (Komposition: Hanns Hasting)
7. Raumgestalt (Komposition: Sascha Demand)
8. Zeremonielle Gestalt (Komposition: Sascha Demand)
9. Drehmonotonie (Komposition: Sascha Demand)
Gudrun Lange (Düsseldorf): Die schnittige Menge
Im deutschen Durchschnittswohnzimmer, das von der Werbeagentur Jung von Matt ermittelt wurde, wohnen 2,2 Menschen: Thomas (45), Sabine (43) und Alexander (17) Müller.
Doch der Schein trügt, denn das Durchschnittswohnzimmer existiert nur als statistische Größe. Die Darsteller pendeln im Verlauf von Die schnittige Menge zwischen Wiedererkennbarkeit und Abstraktion, Kategorisierung und Individualität, Alltag und Spezialistentum. Sie zeigen die eigene Durchschnittlichkeit, um Durchschnitt als aussagekräftige Kategorie in Frage zu stellen.
Konzept, Choreographie: Gudrun Lange In Zusammenarbeit mit Jo Kappl, Katharina Oberlik, Markus Pendzialek Performance: Jo Kappl, Gudrun Lange, Markus Pendzialek Musik: Pascal Fuhlbrügge | Dramaturgie: Sylvi Kretzschmar | Künstlerische Beratung: Marcus Droß
Die schnittige Menge ist eine Produktion von K3 | Tanzplan Hamburg auf Kampnagel. In Koproduktion mit dem Forum Freies Theater Düsseldorf. Gefördert von der Hamburgischen Kulturstiftung. Mit Unterstützung von Jung von Matt. 18., 20., 21. NOVEMBER 20:00 UHR P1| APRIL 2010 FFT DÜSSELDORF
Die schnittige Menge deals with the concept of the average living room, which was established and built by the advertising agency Jung von Matt. There is a living space with all of the standardized attributes: 2.2 room occupants and the movements that could take place there. But appearances are deceptive, because the average living room only has a statistical size. In “Die schnittige Menge”, the actors move back and forth between recognizability and abstraction, categorization and individuality, daily routine and specialization. They show their own “averageness” in order to question “average” as a defining category.
Begüm Erciyas (Türkei): Ping Pong

- © Jenny Beyer
Tischtennisbälle ähneln sich in ihren Eigenschaften: Sie wiegen ca. 2,7 g und haben einen Durchmesser von 40 mm. Sie können sich fortbewegen, indem sie über den Boden rollen, in Kurven fliegen oder durch den Raum springen. Wenn sie aus einer Höhe von 30 cm fallen, springen sie in eine Höhe von 23 cm zurück. Bei jedem weiteren Aufprall reduziert sich die Höhe in diesem Verhältnis, bis sie nicht mehr vom Boden hochkommen. Die Art des Aufpralls hängt stark von der Oberfläche des Bodens ab. Auf dem Tanzboden erzeugen sie bei jeder Berührung ein hohles, abgehacktes Stakkato-Geräusch. Sie sind abhängig von der initiierenden Kraft, die ihnen die Stärke verleiht der Reibung zu widerstehen. Aufgrund des Verhältnisses zwischen ihnen, dem Boden und der Luft kommen sie zum Stillstand. Wenn sie in Gruppen auftreten, sind sie kaum kontrollierbar und können von ihrer Bahn abkommen.
Ping Pong ist eine Bewegungsstudie über Tischtennisbälle und andere Körper. Die physischen Eigenschaften der Objekte, wie auch die Prinzipien von Kinetik und Dynamik, werden genutzt, um eine Choreographie auf der Bühne zu realisieren.
Konzept | Choreographie: Begüm Erciyas Performance: Jenny Beyer, Sigurður Arent Jónsson Musik: Jetzmann | Mentor: Marcus Droß, Bojana Kunst | Produktionsassistenz: Rosa Wernecke
Ping Pong ist eine Produktion von K3 | Tanzplan Hamburg auf Kampnagel. In Koproduktion mit Bimeras (Istanbul) im Rahmen von Jardin d’Europe. Jardin d’Europe ist ein mehrjähriges Kooperationsprojekt aus Mitteln der Europäischen Kommission. Gefördert von der Hamburgischen Kulturstiftung. 02., 04., 05. DEZEMBER 20:00 UHR P1 | On Tour: 12. Dezember WORKING TITLE FESTIVAL, BRÜSSEL
Ballroom (Weiterentwicklung von Ping Pong):
11 Juni O Espaco do Tempo, Montemor-O-Novo/Portugal im Rahmen von LOOPING
14 Juni Uzes Festival, Frankreich im Rahmen von LOOPING
19 Juni Festival Pleskavica, Ljubjana/Slovenien
29 August Tanz im August, Berlin im Rahmen von LOOPING
05. und 06. Juni iDANS, Istanbul/Türkei
Weitere Termine im Herbst in Istanbul und im Radialsystem (Berlin)
Ballroom is a continuation of a kinetic and dramaturgic study of Ping Pong balls. Ping Pong I was premiered in K3- Center for Choreography in December 2009. Begüm Erciyas
They train every day: They bounce, roll and form groups. They investigate their own physical qualities as well as the principles of dynamics and kinetics. They prepare to execute their choreography as well as possible. A choreographic score is written for bodies – the bodies of performers or of objects. They disclose the codes inherent to choreography: the use of storytelling strategies and compositions of movement. The movement of ping pong balls cannot be controlled after they have been introduced. Whatever happens afterwards, happens coincidentally. With Jenny Beyer and Sigurdur Jonsson.
